26.01.2012
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Verkehrsgerichtstag

Kay Nehm

Kay Nehm: "Alltäglicher Kampf um die Pole-Position"

Kay Nehm fordert "Vernunft statt Gasfuß"

Der Präsident des Verkehrsgerichtstages (VGT), Kay Nehm, hat Deutschlands Autofahrer zu einer defensiven Fahrweise aufgefordert. Anstelle des Gasfußes solle der Verstand benutzt werden, sagte der ehemalige Generalbundesanwalt am Donnerstag in Goslar zur Eröffnung des 50. Verkehrsgerichtstages. Bundespräsident Christian Wulff (CDU), der in Goslar ein Grußwort sprach, forderte angesichts des zunehmenden Verkehrsaufkommens in der "alternden Gesellschaft" mehr Rücksichtnahme auf der Straße.

Zugleich mahnte er einen verantwortungsvollen Umgang mit der mobilen Freiheit an: "Wachsende Verkehrsströme, zunehmender Verbrauch von Flächen und Ressourcen können nicht einfach hingenommen werden, sondern erfordern Schutz vor schädlichen Folgen der Mobilität." Die Gesellschaft müsse sich Gedanken machen, wie Mobilität in Zukunft vernünftig, nämlich nachhaltig, gestaltet werden könne.

Der Bundespräsident würdigte die Verdienste des VGT. Der Verkehrsgerichtstag habe die Verkehrssicherheit in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich mitgestaltet und mitgeprägt. "Er ist ein Forum, das international seinesgleichen sucht". Der VGT habe sich zu einem der profiliertesten Ratgeber entwickelt. Seine Ergebnisse und Empfehlungen seien vielfach in Gesetze, Verordnungen, Vorschriften und Gerichtsurteile eingeflossen.

Der größte Erfolg aller Bemühungen des VGT, die Sicherheit des Straßenverkehrs zu erhöhen, sei es, "dass die Zahl der Verkehrstoten in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abnahm", sagte Wulff. "1970, im bisher schwärzesten Jahr der Unfallstatistik, waren 21.332 Todesopfer zu beklagen. 2010, also genau 40 Jahre später, hatten wir mit 3.651 Toten im Straßenverkehr einen historischen Tiefstand erreicht - und das, obwohl sich das Verkehrsaufkommen inzwischen verdreifacht hat."

"Alltäglicher Kampf um die Pole-Position"

VGT-Präsident Nehm geißelte "den alltäglichen Kampf um die Pole-Position" auf den Straßen und das "Ausfahren der Geschwindigkeit bis zur Grenze des Erträglichen". Die dadurch gewonnenen Meter und Sekunden stünden "in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Einbußen an Sicherheit" und den erhöhten Kosten. Wenn der Staat versuche, diese Erkenntnis auch mit Hilfe der Verkehrsüberwachung zu vermitteln, werde dies vielfach als Abzocke diffamiert.

Nehm appellierte an alle Verkehrsteilnehmer, Vernunft anzunehmen. "Was nützt Verkehrssicherheitsarbeit, was nützt der Schilderwald mit seinen Geboten, Verboten und Warnungen, was nützen die Anforderungen an einen idealen Fahrzeugführer im Fahrerlaubnisrecht, wenn es in der Praxis an Einsicht mangelt?"´

Am Jubiläumskongress nehmen mehr als 1.800 Juristen, Wissenschaftler und Verkehrsexperten aus Deutschland und einem Dutzend weiterer europäischer Staaten teil. Sie diskutieren unter anderem über die Helm- und Führerscheinpflicht für die Benutzer von Elektrofahrrädern, Probleme mit Unfall-Sachverständigen, Schmerzensgeld für Angehörige von Verkehrsopfern und ob von herzkranken Autofahrern eine erhöhte Verkehrsgefährdung ausgeht. Der VGT endet am Freitag mit Empfehlungen an den Gesetzgeber. (dpa)

 


KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

26. Januar 2012 15:51
egon sunsamu meint:
Wer sich einen Cayenne Turbo mit knapp 3 Tonnen und 500 PS leistet, will immer vorne sein. Er steht im Stau auch ganz vorn...;-)))

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