21.09.2017
   

Allianz-Autotag

Teure Hochspannung

Batteriebetriebenen Fahrzeuge stellen ein schwer kalkulierbares Risiko dar – zumindest für die Brieftasche.

Von Peter Weißenberg/sp-x

Das ist die gute Nachricht: Hochspannung ist nicht brandgefährlich. In einschlägigen Foren hält sich bisher hartnäckig das Gerücht, dass Elektrofahrzeuge schneller in Brand geraten – spektakuläre Internet-Videos in Flamme stehender Stromer nach Unfällen geben solchen Spekulationen stetige Nahrung.

Alles Unsinn, sagt Joachim Müller, Chef der Allianz-Versicherung. Seine Experten haben aktuelle Schadensfälle ausgewertet und stellten fest, dass bei straßenzugelassenen Elektro- und Hybridfahrzeugen kein erhöhtes Brandrisiko im Vergleich zu Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb besteht. "E-Autos sind genauso sicher wie konventionell betriebene Modelle", so das Ergebnis der Studie.

Weniger erfreulich: Die batteriebetriebenen Fahrzeuge stellen ein schwer kalkulierbares Risiko dar – zumindest für die Brieftasche. Und der Grund sind auch hier die Akkus. Wegen der rasanten technischen Leistungsentwicklung ist es ohnehin schon schwierig, den Wertverlust eines aktuellen Stromers zu berechnen. Wer will schon morgen noch die Batterietechnik von heute kaufen? Da nach Allianz-Daten die Batterie etwa 30 Prozent des Fahrzeugpreises ausmacht, ist das also bereits ein erheblicher Unsicherheitsfaktor. Der wird aber noch gesteigert, weil kein Kunde, Versicherer oder Händler weiß, wie schnell die Akkus an Leistung verlieren. Hier bieten etwa Foren mit Elektroauto-Fahrern teils ernüchternde Erlebnisberichte, in denen von 20 Prozent Leistungsverlust innerhalb eines Jahres die Rede ist. Kann das stimmen? Das weiß wohl nur der Hersteller.

Die Versicherungs-Fachleute fordern nun eine größere Transparenz, was die Leistungsdaten der Batterien anbelangt. Schließlich seien ja auch bei Verbrennungsmotoren solche Belege üblich. Damit kalkulieren die Versicherer zum Beispiel, wie viel Geld ein Benziner oder Diesel vor dem Schadensfall noch wert war. Die Assekuranz, aber auch Sachverständige und Autobesitzer, seien auf transparente Informationen von den Autoherstellern angewiesen, um Leistung und Zustand der Batterie zu bewerten. "Es muss künftig möglich sein, anhand von Fahrzeug- und Nutzungsdaten den Zustand der Batterie zu bestimmen", fordern die Münchener.

Seltener in Unfälle verwickelt

Eine weitere gute Nachricht hält die Studie aber auch noch bereit: Elektrofahrzeuge sind auf deutschen Straßen gleich um ein Viertel seltener in Unfälle verwickelt als Autos mit Verbrennungsmotor. Das liegt vor allem daran, dass diese Autos im Verhältnis zum Gesamtbestand viel neuer, besser ausgestattet und darum auch mit mehr Sicherheits- und Assistenzsystemen versehen sind. Wahrscheinlich fahren die Umweltbewussten aber auch weniger und defensiver als der Normalkunde.

Wenn es allerdings zum Schaden kommt, dann kostet dieser im Schnitt gleich 25 Prozent mehr als bei einem Auto mit konventionellem Antrieb. Das liegt laut der Versicherung daran, "dass es noch Potenzial bei der Konstruktion gibt". Insbesondere sollte auch hier die teure Batterie so eingebaut sein, dass sie nicht schon bei kleinen Unfällen aufwendig ausgetauscht werden muss. Was den Stromer-Ausfall zusätzlich verteuert, sind zusätzliche Transportkosten. Denn nicht jede Werkstatt ist für die Reparatur eines E-Fahrzeugs optimal gerüstet.

In Sachen Kosten, Transparenz und Reparatur steckt die Zukunftstechnologie also immer noch in den Kinderschuhen. Vielleicht ein zusätzlicher Grund, warum die Kunden beim Kauf von E-Autos so zurückhaltend sind.


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