15.11.2019Fachbeitrag

Anmerkungen zum Unfallgeschehen mit rechts abbiegenden schweren Güterkraftfahrzeugen und Radfahrern

Alexander Berg
Derzeit ist in den Medien die Berichterstattung über Abbiegeassistenzsysteme für Güterkraftfahrzeuge und Busse sehr präsent. Sie sollen schwere Unfälle, bei denen rechts abbiegende Nutzfahrzeuge mit Radfahrern oder Fußgängern kollidieren und diese überrollen, verhindern. Zweifellos können die neuen Systeme zu mehr Sicherheit in den betreffenden Szenarien beitragen. Mit dem aktuellen Stand der Technik kann aber noch nicht erwartet werden, dass die adressierten Unfälle nicht mehr stattfinden. Zudem wird es einige Zeit dauern, bis alle betreffenden Fahrzeuge mit Abbiegeassistenzsystemen nachgerüstet sein werden beziehungsweise damit ausgerüstete Neufahrzeuge einen größeren Anteil der Fahrzeugflotte ausmachen. Obwohl das in Rede stehende Geschehen keinen Schwerpunkt in der amtlichen Unfallstatistik bildet, handelt es sich in der Regel um tragische Einzelfälle, bei denen nicht allein die Zahl der Getöteten, sondern zudem - angesichts von lebenslang bleibenden Unfallfolgen - die Zahl der Schwerverletzten ein besonderes Gewicht hat. Um die Zahl der auch für die beteiligten Nutzfahrzeugfahrer traumatischen Unfälle möglichst rasch und nachhaltig zu senken, sollten die Diskussionen und unterstützenden Maßnahmen nicht allein auf die Abbiegeassistenten fokussiert sein. Beispielsweise kommen als weitere fahrzeugseitige Maßnahme zusätzliche seitliche Fahrtrichtungsanzeiger oder mitblinkende Seitenmarkierungsleuchten in Betracht. Diese sind inzwischen nicht nur erlaubt, sondern für neu typgeprüfte Fahrzeuge gesetzlich vorgeschrieben. Die öffentliche Berichterstattung hat sich hiermit bisher nur wenig befasst. Im Beitrag wird die Problematik des typischen Unfallgeschehens nochmals kurz beschrieben und es werden einige zugehörige Zahlen aus der amtlichen Statistik genannt. Einem Überblick zu den Lösungsmöglichkeiten, welche unter anderem auch infrastrukturelle Maßnahmen umfassen, folgen Informationen über neue zulassungsrechtliche Vorschriften zu Seitenmarkierungsleuchten. Abschließend geht der Autor auf die aktuellen Förderrichtlinien für Abbiegeassistenten ein. In Kenntnis des typischen Toter-Winkel-Szenarios, in das überwiegend schwere Lastkraftwagen und Sattelzugmaschinen verwickelt sind, ergeben sich aus Sicht der Unfallforschung unnötig große "Streuverluste", da die verfügbaren finanziellen Mittel nur für einen sehr kleinen Teil der als förderfähig ausgewiesenen Fahrzeuge reichen. Zudem könnten auch hier die (kostengünstigen) zusätzlichen seitlichen Fahrrichtungsanzeiger bzw. die Ansteuerung von beim Abbiegen mitblinkenden Seitenmarkierungsleuchten einbezogen werden. Der Beitrag schließt mit einer Empfehlung an die beteiligten Radfahrer und Fußgänger, notfalls auf ihr Vorrecht zu verzichten, um sich selbst zu schützen.

Ausgabe, Nr, Seite: VKU 11/2019 S. 372-380
Seitenanzahl: 9
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