15.04.2016
   

Crashsicherheit in Schwellenländern

Billiger Stahl, lässig verschweißt

Crashtest Kleinwagen

Kleinwagen in Indien und Südamerika sind oft wahre Todesfallen - hier der indische Datsun Go.

Von Holger Holzer/SP-X

Während bei den Crashtests hierzulande die Bestwertung von fünf Sternen eher die Regel als die Ausnahme ist, scheitern in den Schwellenländern selbst Autos der großen Hersteller reihenweise. In Indien hat der Kleinwagen Datsun Go kürzlich null von möglichen fünf Sternen erhalten und insgesamt so schlecht abgeschnitten, dass die Sicherheitsorganisation GlobalNCAP sogar einen Verkaufsstopp fordert. Auch in Südamerika steht es mit der Sicherheit nicht zum Besten. Bei einem Test der dortigen LatinNCAP erhielt nun der Chevrolet Sail – ein entfernter Verwandter des Opel Corsa B – wie auch kurz zuvor schon der Chevrolet Aveo null Sterne.

Hersteller General Motors nutze die unzureichenden Crashtest-Standards in Südamerika aus, um dort Fahrzeuge anzubieten, die sie in Europa oder Nordamerika nicht verkaufen könnten, kritisiert GlobalNCAP-Generalsekretär David Ward. Der Testbericht zur kleinen Limousine Sail liest sich in der Tat verheerend. Nicht nur, dass Airbags, ABS und ESP fehlen, auch die Karosseriestruktur ist instabil. Oberkörper und Kopf des Fahrers drohen bei einem Frontalcrash schwere Verletzungen, auch der Beifahrer wäre stark gefährdet.

Dass die für Südamerika, Indien und Schwellenländer produzierten Kleinwagen der großen westlichen und asiatischen Hersteller im Crashtest versagen, ist nichts Neues. Anfang 2014 scheiterten in Indien etwa der vom Fiesta abgeleitete Ford Figo, der Hyundai i10, der Suzuki Alto und der VW Polo daran, auch nur einen Stern für den Insassenschutz einzufahren. Allerdings bliebt anders als beim Datsun zumindest die Fahrgastzelle einigermaßen stabil. Die westlichen Verwandten der Indien-Modelle hingegen überzeugen im europäischen EuroNCAP-Crashtest in der Regel. Auch in Brasilien zeigten sich zuletzt bei Test der LatinNCAP ähnliche Probleme. Und wieder waren es lokalisierte Varianten von bekannten europäischen, amerikanischen und asiatischen Modellen, die negativ auffielen.

Hart umkämpfte Marktanteile 

Sowohl Indien als auch Südamerika gelten als wichtige Zukunftsmärkte für die Automobilindustrie. Entsprechen hart wird dort um Marktanteile gekämpft, meist über den Preis. Gespart wird dabei auch an der Sicherheit. Airbags, ABS oder selbst Gurtstraffer beispielsweise sind bei Einsteigermodellen fast nie an Bord. Wie viel allein zwei Airbags ausmachen können, zeigt der VW Polo. Nach dem verheerenden Null-Sterne-Crash in Indien hat VW nachgerüstet und bietet den Kleinwagen nun mit zwei serienmäßigen Luftsäcken an – im Nachtest wurde das mit zwei Sternen belohnt.

Offenbar wird teilweise aber auch an der grundlegenden Karosseriestruktur gespart. Die Konstruktion der Original-Modelle wird dann für den Einsatz in Schwellenländern leicht heruntergetunt. Verstärkende Elemente können weggelassen, günstigere Materialien verwendet werden. Und das Ganze wird dann in den lokalen Werken auch noch vergleichsweise lax zusammengeschraubt – unter dem Schirm der insgesamt niedrigen Sicherheitsstandards in vielen Schwellenländern. Auch ein Großteil der Verbraucher hat in Staaten wie Indien und Brasilien nach Einschätzung von GlobalNCAP nur ein geringes Bewusstsein für Fahrzeugsicherheit. Ihr erstes Interesse ist es, überhaupt erst mal einen fahrbaren Untersatz zu haben. Und zwar zu einem möglichst günstigen Preis. Die einheimischen Hersteller sind in dieser Beziehung übrigens nicht besser, wie zuletzt der indische Tata Nano zeigte. Er erhielt ebenfalls null Sterne für den Insassenschutz und scheiterte auch bei der Kindersicherheit komplett. Dort hatten Datsun, Hyundai, Ford und Co. zumindest ein bis drei Sterne eingefahren.

Die Organisation möchte die Crash-Sicherheit nun deutlich verbessern, vor allem vor dem Hintergrund der wachsenden Fahrzeugdichte und der dadurch steigenden Unfallgefahr. Nicht zuletzt so dürfte sich der aktuell strenge Umgang mit Nissan erklären.


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