07.10.2019
   

Harley Davidson Touring-Modelle

Vollgas bei der Fahrsicherheit

Harley Davidson Sicherheit

Harley Davidson hat die Elektronik seiner Touringmodelle überarbeitet.

Von Ulf Böhringer/SP-X

Wirft man nur einen oberflächlichen Blick auf die Touringmodelle von Harley-Davidson für das Modelljahr 2020, könnte man glauben, dass alles beim Alten bleibt. Doch das ist mitnichten so: Die Motor Company aus Milwaukee hat vor allem die Elektronik stark überarbeitet. Ziel ist eine markante Erhöhung der Fahrsicherheit. Das neue "Reflex Defense Rider System", kurz RDRS genannt, basiert auf einer Bosch-Entwicklung und wurde für Harley-Davidson adaptiert. Es wird künftig in allen Touringmodellen mit Ausnahme der Road King und der Electra Glide Standard serienmäßig angeboten. Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die neue Technik auch in weitere Modellreihen einzieht.

Das RDRS besteht aus vier Komponenten, die in einem einzigen Modul zusammengefasst sind. Im Einzelnen handelt es sich um eine elektronische Koppelung von Vorder- und Hinterradbremse zur Erhöhung der Fahrstabilität bei Notbremsungen. Dabei wird die Bremskraft je nach aktueller Anforderung zwischen Vorder- und Hinterrad variiert, um den Zeitpunkt des ABS-Eingriffs möglichst weit hinauszuschieben und eine möglichst hohe Verzögerung zu erreichen. Dank eines Schräglagensensors ist das System auch bei Kurvenfahrten einsatzfähig; damit macht Harley-Davidson erstmals den Schritt hin zum Kurven-ABS.

Ebenfalls zu RDRS gehört eine dynamische Traktionskontrolle; sie soll beim Beschleunigen ein ungewolltes Wegrutschen in Kurven mit wenig Grip verhindern. Dabei gibt es zwei Modi: Bei "Road" erfolgen die Regeleingriffe später, bei "Rain" früher. Wer bei gutem Grip auf kurvigen Straßen im Rain-Modus unterwegs ist, kann das Kontrolllämpchen für die Traktionskontrolle häufig flackern sehen. Eine blaue Kontrollleuchte im Cockpit weist auf den gewählten Rain-Modus hin.

Drittens ist eine Antischlupfkontrolle integriert, die im Schiebebetrieb eingreift und Radblockaden verringert. Zudem ist die Vehicle Hold Control VHC Bestandteil von RDRS; es handelt sich um eine Berganfahrhilfe. Sie hat uns, im Gegensatz zu allen anderen Assistenzsystemen, nicht überzeugt. Sie funktioniert nämlich gerade dann nicht, wenn man die Hände frei haben will und der Motor noch läuft. Ist ein Gang eingelegt und zugleich die Kupplung gezogen, arretiert das System die mit VHC ausgerüstete Harley einwandfrei. Sehr angenehm ist, dass sich die Regelfunktion beim Anfahren am Berg extrem gefühlvoll löst.

Weiterhin wird bei den Tourern serienmäßig ein Reifenluftdruckkontrollsystem montiert; es wurde bereits in der eben vergangenen Saison in den CVO-Sondermodellen geliefert. Selbstverständlich werden im neuen Modelljahr die werksgetunten CVO-Modelle ebenfalls mit RDRS ausgestattet.

Zudem erhalten die Tourer-Käufer ab sofort das System H-D Connect; bei ihm sorgt der LTE-Mobilfunkstandard der dritten Generation für Konnektivität mit Cloud-Services und der Harley-Davidson App. Letztere lässt sich kostenlos über Apple- und Android-App-Stores auf dem Smartphone installieren. H-D Connect versorgt den Fahrer über das Smartphone mit Informationen zu seinem Fahrzeug. Über das Smartphone lassen sich zahlreiche Informationen zum Fahrzeugzustand abrufen. Das System ermöglicht dem Besitzer auch, das Motorrad aus der Ferne zu überwachen. Sollten sich Unbefugte an der Maschine zu schaffen machen oder sie bewegen, erhält er einen entsprechenden Hinweis in Echtzeit. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise ein gestohlenes Motorrad verfolgen – und zwar selbst dann, wenn die Diebe die Stromversorgung unterbrochen haben. Eine versteckt installierte Not-Batterie arbeitet auch in einem solchen Fall und steigert damit die Chancen, den Dieben schnell auf die Schliche zu kommen. H-D Connect ist im ersten Jahr kostenlos, danach werden 160 Euro pro Jahr berechnet.

Einziges Neumodell im Tourersegment ist die Road Glide Limited; sie ersetzt die Ultra. Gegenüber dieser ist die Limited-Version noch etwas üppiger ausgestattet. Leider ist die Schaltwippe, ein bei den mit Trittbrettern ausgestatteten Touringmodellen unverzichtbares Ausstattungsmerkmal, auch bei der Limited nicht Serie. Ansonsten fährt sie sich weich und deshalb ausgesprochen angenehm. Ein großer Vorteil gegenüber der Street Glide ist der weitaus bessere Windschutz. Während beim letztgenannten Modell bereits ab etwa 90 km/h deutliche Turbulenzen für Lärm am Fahrerhelm sorgen, ist es hinter der lenkerfesten Road Glide-Verkleidung mit sehr guter Hinterlüftung angenehm ruhig. Die Limited-Version der Road Glide ist ab 30.595 Euro zu haben. Zudem hat erstmals ein Trike den Weg ins luxuriöse CVO-Programm gefunden. Die CVO Tri Glide kostet ab 53.495 Euro.


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