21.09.2015
   

Kontrollieren und entscheiden

PSA erprobt das autonome Fahren

Citroen C4 Picasso

PSA testet Autonomie-Technik an Bord des Citroen C4 Picasso

Geht es ums autonome Fahren, denkt man schnell an Hersteller wie Mercedes-Benz und Audi oder das IT-Unternehmen Google, das mit seiner selbstfahrenden Kugel bei den etablierte Autobauern vielleicht nicht für Schrecken, doch aber für Aufsehen gesorgt hat. Aber auch der PSA-Konzern mit seinen mittlerweile drei Marken Peugeot, Citroën und DS, der sonst eher für avantgardistische Karosserien und spritsparende Motoren bekannt ist, forscht auf dem Gebiet des fahrerlosen Fahrens.

Gilles Le Borgne, im PSA-Vorstand für Forschung und Entwicklung zuständig, erläuterte im Rahmen der IAA die Fortschritte der Franzosen, die seit September auf gut 2.000 Autobahnkilometern in Frankreich, unter anderem von Paris nach Bordeaux, schon wahr werden. Dort hat Citroën zwei sogenannte Level-3-Protoypen im C4-Picasso-Kleid im Einsatz, um eifrig Erfahrungen zu sammeln. Unter anderem die, dass sich die Selberfahrer strikt an das Tempolimit halten. Level 3, das heißt mit Fachbegriffen: Hands-off und Eyes-off. Der Fahrer braucht also weder das Lenkrad in der Hand halten, wie es etwa bei den gängigen Spurhalteassistenten der Fall ist, noch den Blick auf die Straße richten, sondern kann sich gemütlich zurücklehnen und theoretisch sogar ein kleines Schläfchen machen.

An seiner statt übernehmen zahlreiche Sensoren und Kameras die Aufsicht und überwachen Straßenverlauf und Verkehrsgeschehen. Die Technik wiederum wird von namhaften Zulieferern wie Bosch oder ZF beigesteuert und ist entweder schon in Serie oder soll diesen Stand bald erreichen. Doch die Sensorik sei gar nicht das Problem, betont Le Borgne. Vielmehr liegt die Herausforderung in der Kontrolle und dem Zusammenführen all der gewonnen Parameter mit bestehenden Daten, wie etwa den auf 10 Zentimeter genauen Landkarten. Und natürlich in dem daraus resultierenden Entscheidungsprozess. In Sekundenbruchteilen muss der Computer schließlich die Rechenleistung des menschlichen Gehirns übernehmen und zwischen verschiedenen Optionen abwägen und wählen. Ihm das beizubringen, sei die schwierigste Aufgabe, so der Forschungsvorstand. Und das sei etwas, das nicht auf Zulieferer abwälzbar sei; diese würden nur Bauteile liefern, aber nicht die Verantwortung für das schlussendliche Zusammenspiel aller Komponenten übernehmen.

Zusammenarbeit mit Universitäten

Um die Entwicklung schneller voranzutreiben, arbeitet der Konzern eng mit Universitäten zusammen, wo es Spezialisten etwa für Kontrollmechanismen gibt. Außerdem wird PSA bis zum Jahresende vier weitere Prototypen auf den ihnen zugeteilten Autobahn-Spielplatz in Frankreich schicken, nächstes Jahr sollen es schon 20 sein. Theoretisch könnten die C4 auch schon auf anderen Straßen fahren, doch verbietet das der Gesetzgeber. Den sieht Le Borgne ohnehin in der Pflicht, denn ohne einen rechtlichen Rahmen, der eine Hands-off- oder gar Eyes-off-Fahrt gestattet - und den Haftungsfall regelt - sei die ganze Entwicklungsarbeit vergebens.

Bis wir uns tatsächlich in einem Peugeot ohne Zutun von Haustür zu Haustür kutschieren lassen können, wird noch einige Zeit vergehen, da ist sich der PSA-Vorstand sicher; zumal der Stadtverkehr die größte Hürde herstellt – erst recht in den hektischen Großstädten Asiens. Bevor das möglich wird, soll es ab circa 2020 einen Highway-Assistenten geben, der die Fahrt auf der Autobahn selbstständig erledigt, von Einfahrt bis Ausfahrt. Noch realitätsnäher ist ein Stauassistent, der im langsam rollenden Verkehr das Steuer übernimmt und so den Fahrer entlastet. Einige Premiumhersteller haben ihn bereits im Angebot, 2018 soll er auch im nächsten Peugeot 508 erhältlich zu sein. Und vielleicht auch ein Parkhelfer, mit dessen Hilfe der Wagen von außen in die Lücke manövriert werden kann; denkbar ist dann auch ein Valet-Parking-Service, den das Auto selbst erledigt.

Die Gefahr, dass Peugeot - und auch andere Hersteller - bei der Entwicklung autonomer Autos von branchenfremden Unternehmen, wie eben Google, überrannt werden, sieht Le Borgne übrigens nicht. Er ist fest überzeugt: Google hat kein Interesse daran, selbst ein Auto zu entwickeln. Der Internet-Riese sei viel mehr auf der Suche nach Partnern, mit denen er zusammenarbeiten kann. Ob PSA so ein Partner sein könnte, lässt der Franzose allerdings unbeantwortet. (sp-x)


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