18.12.2017
   

Notbremsassistent fürs Rückwärtsfahren

Schutzengel am Fahrzeugheck

Notbremsassistent Volvo

Der Volvo XC40 bremst, wenn sich Querverkehr nähert.

Von Hanne Schweitzer/SP-X

Moderne Assistenzsysteme können die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten deutlich verringern, insbesondere bei Notbremsassistenten sieht die Unfallforschung diesbezüglich großes Potenzial. Bisher stoppten die Helfer das Auto nur bei Kollisionsgefahr im Vorwärtsgang. Nun kommen mit dem Kompakt-SUV Volvo XC40 und der aktualisierten Version der Oberklasse-Limousine Mercedes S-Klasse die ersten Systeme auf den Markt, die auch beim Rückwärtsfahren in Gefahrensituationen automatisch den Anker werfen.

Aktuelle Querverkehrswarner alarmieren den Fahrer akustisch und/oder optisch, wenn ihre Kamera- und/oder Radar-Sensoren beim Rückwärtsfahren ein Fahrzeug erkennen, das sich von links oder rechts nähert. Die Sensoren am Heck nehmen Gefahren viel früher wahr, als der Mensch es vom Fahrersitz aus könnte – ganz davon abgesehen, dass die Sicht nach hinten bei vielen modernen Fahrzeugen deutlich eingeschränkt ist.

Parkt die S-Klasse rückwärts aus, bremst sie notfalls automatisch, um eine Kollision zu verhindern. Mit dem XC40 bringt Volvo im Frühjahr in der Golfklasse ein SUV mit Notbremse für das Rückwärtsfahren auf den Markt. Steuert der Fahrer retour, und die Radareinheit im Heck entdeckt Verkehr ab einer Größe von kleinen Motorrädern stoppt das SUV automatisch. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das System der Schweden bereits querende Fußgänger und Fahrradfahrer erkennen und bei Kollisionsgefahr bremsen – für Unfallforscher eine entscheidende Funktion, auf dem Weg zu einem sichereren Straßenverkehr.

Schwere Verletzungen durch kleine Geschwindigkeiten

Denn, obwohl das Auto beim Rangieren nur langsam rollt, können die Notbremsassistenten auch hier Leben retten: "Es reichen niedrigste Geschwindigkeiten, um jemanden einzuquetschen und schwer zu verletzen", sagt Ute Hammer, Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). Das belegen Zahlen der Unfalldatenerhebung GIDAS (German In-Depth Accident Study): Danach wurde jeder achte von einem Auto schwer verletzte Fußgänger vom Fahrzeugheck getroffen. Laut ADAC könnten durch den Einbau eines Heck-Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung bis zu zehn Prozent der Fußgängerunfälle mit schweren Verletzungen vermieden werden.

Nicht nur, dass moderne, hoch bauende Autos mit kleinen Fensterflächen die Sicht nach hinten erschweren. Auch angesichts einer alternden Gesellschaft ist die flächendeckende Ausstattung mit dem Assistenzsystem sinnvoll: "Es ist bekannt, dass sich nach hinten Umdrehen im Alter schwieriger wird. Auch das spricht dafür, hier einen Schutz einzubauen", so DVR-Geschäftsführerin Hammer. Auch aus Sicht der ADAC-Unfallforschung sollten Notbremssysteme, die schwerwiegende Fußgängeranpralle vermeiden, konsequent in Fahrzeuge eingeführt werden.

Notbremsassistenten, die einen Frontalaufprall verhindern oder abmildern können, haben es mittlerweile bis ins Kleinwagensegment geschafft: Nach einer Analyse des DVR sind etwa die Hälfte aller neuen Klein- und Kompaktwagenmodelle mindestens optional mit der automatischen Notbremse zu haben. Erstmals ist mit dem VW Polo ein Fußgänger-Notbremsassistenten serienmäßig ins Kleinwagensegment eingezogen.


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