15.06.2026
   

Robotaxi-Studie

Nicht weniger, sondern mehr Verkehr

Waymo-Tesfahrzeug von Jaguar

Robotaxis könnten für vollere Straßen sorgen

Robotaxis sollen nicht nur sicherer fahren als der Mensch, sondern auch das städtische Verkehrssystem entlasten. Eine Auswertung zeigt nun aber, dass das nicht automatisch funktioniert. Im ungünstigsten Fall können die autonom fahrenden Autos sogar für mehr Staus sorgen.

Die in der Fachzeitschrift "Findings" veröffentlichte Studie wertet die ersten rund 1.000 Tage des kommerziellen Waymo-Fahrdienstes in Kalifornien aus. Grundlage sind Meldedaten an die Behörden für den Zeitraum August 2023 bis Dezember 2025. Berücksichtigt wurden rund 14 Millionen Fahrten mit insgesamt knapp 140 Millionen gefahrenen Kilometern. Der Untersuchung zufolge wurde nur gut die Hälfte der gefahrenen Strecke mit Fahrgast zurückgelegt. Der Rest waren sogenannte Leermeilen – etwa beim Umpositionieren der Fahrzeuge, beim Warten oder auf dem Weg zum nächsten Kunden.

Zwar hat sich die Effizienz nach dem Start zunächst verbessert, seit Mitte 2025 stagniert der Wert jedoch weitgehend. Mit wachsender Flotte und steigender Nachfrage können Robotaxis theoretisch besser verteilt werden und kürzere Anfahrtswege haben, die bessere Logistik und Organisatin wird aber von einem anderen Effekt überdeckt: Denn gerade wegen des fehlenden Fahrers können autonome Fahrzeuge pausenlos unterwegs bleiben und somit leichter zusätzliche Wege ohne Insassen zurücklegen. Anders als etwa ein privater Pkw müssen sie nicht geparkt bleiben, sondern fahren selbstständig durch die Stadt, um Nachfrage zu suchen oder Standorte zu wechseln. Für die Betreiber ist das andauernde Herumfahren trotz des Energieverbrauchs unter Umständen auch finanziell attraktiv, müssten sie ansonsten doch Parkraum vorhalten und zahlen.

Hinzu kommt die geringe Besetzung der Robotaxis. Im Schnitt saßen der Studie zufolge nur rund 1,4 Passagiere in einem Waymo-Fahrzeug. Damit ähnelt der Dienst eher einem Taxi- oder Ridehailing-Angebot als einem Sammelverkehr.

Ob autonome Fahrzeuge Städte entlasten, hängt daher weniger von der Technik selbst ab als vom Einsatzmodell: Als Sharing-Angebot mit hoher Auslastung können sie Vorteile bringen. Als Einzelfahrten-Dienst mit vielen Leermeilen drohen sie dagegen, den Verkehr eher zu vermehren als zu verringern.


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