08.06.2016
   

Roboterwagen

Lernplattform will Autoingenieure ausbilden

Sebastian Thrun

Sebastian Thrun führte die Entwicklung des selbstfahrenden Autos "Stanley" an.

Roboterwagen-Pionier Sebastian Thrun will mit seiner Online-Lernplattform Udacity Fachwissen über selbstfahrende Autos an interessierte deutsche Hersteller vermitteln. "Es gibt einen Wahnsinns-Bedarf in der Industrie für Leute mit Wissen über selbstfahrende Autos", sagte der Entwickler der ersten Google-Roboterwagen der dpa zum Deutschland-Start von Udacity am Mittwoch. "Mir geht es darum, den Verkehr sicherer zu machen, das ist für mich wichtiger, als einer speziellen Firma zu helfen."

In den sechs bis zwölf Monate dauernden Online-Kurse könne man einiges schaffen, betonte Thrun: "Man kann einen relativ guten Programmierer in einem halben Jahr zum Spezialisten im Bereich selbstfahrender Autos ausbilden." Genauso könne man aber auch einen Nicht-Programmierer zum Programmierer machen oder einen Programmierer zum Entwickler von Smartphone-Apps. Das Interesse an Fachwissen aus dem Silicon Valley sei in Deutschland stark: "Viele der großen Firmen, mit denen wir reden, die zum Teil zehntausende Ingenieure haben, müssen sich in einer neuen Welt mit künstlicher Intelligenz, Big Data, selbstlernenden Maschinen und virtueller Realität zurechtfinden."

Udacity bietet in Deutschland zum Start am Mittwoch die gleichen Kurse wie in den USA an. Sie wurden zum Teil mit Beteiligung von Schwergewichten wie Google oder Facebook entwickelt, sind auf konkrete Fähigkeiten und Wissensbereiche ausgerichtet und kosten 200 Euro pro Monat. "Wir glauben, dass Wissen aus dem Silicon Valley überall auf der Welt gefragt ist", sagte Thrun. Auch mit deutschen Unternehmen sollen Inhalte für Kurse entwickelt werden. Udacity hat nach eigenen Angaben rund vier Millionen Nutzer weltweit, darunter bereits einige tausend in Deutschland. Als Partner tritt hierzulande der Bertelsmann-Konzern auf.

Der in Solingen geborene Thrun (49) führte in Kalifornien die Entwicklung des selbstfahrenden Autos "Stanley" an, das 2005 einen Wettbewerb der amerikanischen Militärtechnologie-Agentur Darpa gewann und damit die Bewegung anstieß. Thrun baute danach die geheime Forschungsabteilung Google X auf und leitete mehrere Jahre lang das Roboterwagen-Projekt des Konzerns, bis er sich auf Udacity konzentrierte.

Sein Leben lang lernen

Udacity startete Thrun zunächst als eine Art Online-Uni - auch als Alternative zur klassischen amerikanischen Hochschulausbildung mit den hohen Studiengebühren. Mit der Zeit habe man aber festgestellt, "der Hauptkunde von Udacity ist jemand, der sein Leben lang lernt". In Deutschland liegt zum Start ein Schwerpunkt auf Unternehmen als Kunden.

"Hier ist es so, dass die Unternehmen ihre Mitarbeiter lange behalten - sie sind schwerer zu feuern und man kann nicht einfach neue Fähigkeiten durch den Austausch der Belegschaft in die Firma holen", betonte Thrun. Deshalb ergriffen hier die Betriebe häufiger die Initiative bei der Weiterbildung als in den USA, wo es die Menschen selber seien.

Zugleich sorge der technologiesche Wandel für massive Veränderungen in der Arbeitswelt. "Wir werden immer häufiger sehen, dass Leute ihren Job umstellen und sich neue Fähigkeiten aneignen müssen. Das wird immer schneller werden und die Menschen immer länger arbeiten", sagte Thrun. Deswegen werde Weiterbildung entscheidend. "In Deutschland ist es erstaunlich und toll, dass die Hochschulbildung kostenlos ist", betonte Thrun zugleich. Auch er habe davon profitiert. (dpa)


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