29.06.2012
   

Selbsttest

Frankreichs neue Methode gegen Alkohol am Steuer

Dräger Interlock XT

Neben Warndreieck und Verbandskasten müssen Autofahrer in Frankreich künftig auch einen Alkoholtester im Wagen haben.

Im Idealfall retten sie Leben, und jeder hat sie stets dabei. Alkohol-Schnelltester, mit denen sich Autofahrer selbst überprüfen können, sollen in Frankreich für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Von diesem Sonntag an sind sie Pflicht, und alle Auto- und Motorradfahrer müssen einen bereithalten - Urlauber inklusive. Das Ziel ist klar: Wer etwas getrunken hat, soll den Test benutzen und danach wissen, ob er noch fahrtüchtig ist. Die Methode ist umstritten. In Deutschland soll sie jedenfalls nicht kommen.

Um den Hintergrund der ungewöhnlichen Maßnahme im Nachbarland zu verstehen, hilft ein Blick auf die Unfallstatistik. Alkohol am Steuer ist seit 2006 Todesursache Nummer eins auf französischen Straßen. Bei jedem dritten tödlichen Verkehrsunfall hat einer der Beteiligten getrunken. In Deutschland trifft dies nicht einmal auf jeden zehnten Unfall zu. "Die Trennung zwischen Alkohol und Fahren wird dort eindeutig besser respektiert", heißt es im Innenministerium in Paris.

Unumstritten ist die neue Vorschrift dennoch nicht. Kritiker sagen voraus, die meisten Alkoholsünder dürften sich trotzdem ans Steuer setzen, selbst wenn sie wüssten, dass sie zu viel getrunken haben. "Das ist eine vollkommen ineffektive Maßnahme", kritisiert Chantal Perrichon von der Verkehrsunfallopfervereinigung LCVR. Bei 80 Prozent der tödlichen Alkoholunfälle hätten die Verursacher sogar mehr als 1,2 Promille im Blut gehabt. Dabei liegt die gesetzliche Grenze wie in Deutschland bei 0,5 Promille.

Zweifelhafte Zuverlässigkeit der Geräte

Ein weiteres Gegenargument ist eine zweifelhafte Zuverlässigkeit der Geräte. Der deutsche Autofahrerclub ADAC fand bei verschiedenen Modellen heraus, dass Messwerte relativ ungenau und meist nur schwer oder gar nicht zu erkennen sind. "Sie geben nicht die Sicherheit, die sie eigentlich geben sollten", sagt ADAC-Sprecherin Katharina Bauer. Die Röhrchen zeigten meist nur an, dass überhaupt Alkohol getrunken wurde. Französische Kritiker verweisen zudem darauf, dass die ein bis fünf Euro teuren chemischen Tests Hitze und Frost schlecht vertrügen. Und Elektrogeräte als Alternative kosten leicht mehr als 100 Euro.

Die Befürworter argumentieren, dass die Test bestimmte Normen erfüllten. Sie sind vom Erfolg des Projekts überzeugt. "Wir erhoffen uns, dass die Benutzung des Alkoholtests eine ganz unspektakuläre Sache wird, dass man mit ihm umgeht, wie man seit 15 Jahren mit Präservativen umgeht", sagte der Verkehrspolitik-Experte Jean-Luc Nevache zur Veröffentlichung des Dekrets. Er setzt darauf, dass die Vorschrift jährlich 500 Leben retten kann. 2011 starben in Frankreich 1.150 Menschen an den Folgen von Alkohol am Steuer.

Kein Vorbild für Deutschland

Zum Vorbild für Deutschland nehmen will die Bundesregierung die Maßnahme jenseits des Rheins aber nicht. "Zusätzliche Regeln würden unvernünftige Autofahrer, die vorsätzlich und trotz besseren Wissens die bereits bestehenden Regeln brechen, nicht davon abhalten, dies zu tun", sagt eine Sprecherin von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Auch der ADAC sieht keinen Nachahmbedarf. Jeder Fahrer sollte ohne Test in Eigenverantwortung einschätzen können, ob er fahrtüchtig ist. Ramsauer setzt weiter auf regelmäßige Kontrollen und Aufklärung.

In Deutschland gingen die Alkoholunfallzahlen zuletzt kontinuierlich zurück, die Zahl der Getöteten sank 2010 auf den Tiefstand von 342. In Frankreich dürfte sich wohl frühstens im nächsten Jahr zeigen, wie erfolgreich der neue Schnelltest ist. Auch wenn die Vorschrift am Sonntag in Kraft tritt, wird die Polizei erst ab November Bußgelder kassieren. Wer bei einer Kontrolle keinen unbenutzten Test vorzeigen kann, muss dann elf Euro zahlen. (dpa


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