28.07.2014
   

Sicherheitsgurt

Schlechte Anschnallquote im Fond

Dekra Crashtest

Wer im Fond nicht den Sicherheitsgurt anlegt, gefährdet sich und die Insassen auf den Vordersitzen.

Drastische Unfallbilder haben einst für den Gurteinbau im Auto geworben. Ungesicherte Fahrer und Beifahrer sind bei einem Zusammenstoß mit geringen Aufprallgeschwindigkeiten durch die Windschutzscheiben geschleudert worden. Erschreckende offene Wunden oder tödliche Verletzungen haben für sich gesprochen. Denn schon bei einer Geschwindigkeit von 14 km/h wirken beim Aufprall auf ein festes Hindernis auf den Einzelnen Kräfte von über einer Tonne. "Kein Mensch kann das abfangen", erklärt Jörg Ahlgrimm, Leiter der Dekra Unfallanalyse.

Der Sicherheitsgurt ist Lebensretter Nummer 1. Das beweist er seit 1971 mit der Einführung Anschnallpflicht auf den Vordersitzen und seit 30 Jahren auf den Rücksitzen täglich immer wieder. Die Gurtanlegequote in Deutschland liegt auf den Vordersitzen laut jüngster Erhebung der Dekra Unfallforschung insgesamt bei mehr als 97 Prozent. Im Fond dagegen aber nur bei 94 Prozent. "Das klingt zunächst einmal hoch, bedeutet aber, dass jeder sechzehnte Insasse hinten nicht angegurtet ist", betont Ahlgrimm. Das Argument "Mir passiert da hinten schon nichts" wird mit jedem Crashtest widerlegt.

Ein Mitfahrer ohne Gurtbefestigung, der vom Rücksitz nach vorne geschleudert wird, kann nicht nur selbst schwer verletzt werden, sondern gefährdet auch die vor ihm Sitzenden, so Ahlgrimm. "Wenn Fahrer oder Beifahrer die Knie eines Mitfahrers gegen den Sitz geschlagen bekommen, kann es zu schwersten Rückenverletzungen kommen. Schon allein aus Eigenschutz sollte der Fahrer deshalb immer alle Passagiere dazu anhalten, sich anzuschnallen."

Airbags erhöhen den Schutz, wirken aber nur angeschnallt optimal. Zu denken, sich nicht angurten zu müssen, weil das Fahrzeug mit diversen Airbags ausgestattet ist, "ist fahrlässig und im Ernstfall lebensgefährlich", sagt der Unfallforscher. Zwar gibt es Unfälle, bei denen Airbags wenig nützen oder erst gar nicht auslösen, etwa solche mit Fahrzeug-Überschlag. Dann aber könne nur der Gurt den Insassen in seinem Sitz halten. "Und nur dort kann er den Unfall vergleichsweise sicher überstehen."

Der Unfallexperte macht darauf aufmerksam, dass nicht alle Hersteller im Fond optimale Rückhaltesysteme mit Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer einbauen. Oftmals ist dort nur die gesetzlich vorgeschriebene Mindestausstattung zu finden. Ahlgrimm rät dazu, beim Kauf eines Autos darauf zu achten, wie die Sicherheitsgurte auf den Rücksitzen ausgeführt sind. (mid/wop)


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